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Denkmal für die in der NS-Zeit verfolgten Lesben und Schwulen

Bunt ausdrücklich gewünscht

Über eine Vielfalt bunter Platten stolpert der Blick der Besucher, wenn sie neuerdings um die Ecke von Münchens Dultstraße biegen. Ein einzigartiges Bodendenkmal wirbt für Individualität, Freiheit, Toleranz und Akzeptanz. Mit Bedacht wurde gerade diese historisch bedeutsame Häuserfront als Kulisse gewählt, weil hier 1934 eine grausame Razzia stattfand. Zur Zeit des Nationalsozialismus befand sich in einem der Gebäude eine Wirtsstube namens „Schwarzfischer“, die bei Homosexuellen und Andersdenkenden als Treffpunkt beliebt war. Als trauriger Höhepunkt der langjährigen Ausgrenzung und Verfolgung gilt die Razzia als Auftakt zur Verfolgung und Ermordung der Schwulen und Lesben im Nazionalsozialismus.

Nun hält ein großflächiger Winkel aus farbigen Betonplatten die Erinnerung am Leben. Ulla von Brandenburg gewann mit ihrem Entwurf den Wettbewerb des Kulturreferats der Stadt München. Das Bodendenkmal ist das erste Kunstwerk, das die Malerin, Grafikerin und Videokünstlerin im öffentlichen Raum geschaffen hat. Das Patchwork-Motiv, das in seiner Farbigkeit der Friedensflagge nachempfunden ist, wirbt an dieser Stelle für Toleranz, Vielfalt und Frieden. 

Nachdem die Idee des Kunstwerks aus 90 bunten, indiviuell gefertigten Platten Gestalt angenommen hatte, wandte sich die Stadt für eine fachgerechte und sensible Ausführung an die Experten von Lithonplus. Mithilfe von CAD-Dateien wurden die Formen und Größen der einzelnen trapezförmigen Teile seitens der Künstlerin vorgegeben. Gemeinsam mit Technikern und Betonspezialisten wurden Farbintensität und Materialzusammensetzungen direkt an der Maschine abgestimmt. Die besondere Intensität der Farbtöne wurde durch Zugabe von Trockenpimenten erreicht. Bei diesen kräftigen Farbmischungen muss besonders darauf geachtet werden, die geforderte Festigkeit des Betons zu gewährleisten. Je knalliger die Farbe sein soll, desto weniger Festigkeit kann der Beton erreichen. Nur durch Verwendung von Grau- und Weißzement als Basis konnte die Herausforderung bewältigt werden. Durch den Zusatz verschiedener Splitte wie Granit, Basalt, rotem und weißem Quarz entstanden eine außergewöhnlich hochwertige Oberflächen. Ein nachträgliches Strahlen der Platten legte die  Splitte wieder frei und verleiht dem Denkmal nun ein mystisches Funkeln.
Jeder Stein ist ein absolutes Unikat – auch das unterstreicht den Gedanken der Akzeptanz und der gewollten Vielfalt in unserer Gesellschaft.

Steckbrief

Planer

Künstlerin Ulla von Brandenburg

Auftraggeber

Stadt München, Kulturreferat

Architektonische Ambition

Kreation eines außergewöhnlichen Bodendenkmals, das in seiner Einzigartigkeit und Vielfältigkeit auffällt.